Warum Therapie?

Ich brauchte lange, bis ich mich zu einer Therapie entschlossen habe. Und diese ist noch lange nicht abgeschlossen.

Mein Arzt meinte, dass mein Zustand so akut sei, dass ich eine stationäre Therapie machen sollte. Als ich das das erste Mal hörte bekam ich es ganz schön mit der Angst zu tun. Jesus, ich sollte in eine "Klapsmühle" (verzeiht mir diesen Begriff). Ich dachte sofort an geschlossene Abteilungen und vergitterte Fenster. Ich wehrte mich erst mal dagegen, aber mit der Zeit sah ich es dann ein, zumal ich durch den Entzug von meinen Medikamenten auch körperlich am Ende waren und mir auf Arbeit immer mehr gravierende Fehler unterliefen. Also mußte ich jetzt die Notbremse ziehen.

Ich meldete mich also in einer Klinik, der Curtius-Klinik in Bad Malente (http://www.curtius-klinik.de), an. Am Telefon hieß es dann 8 Wochen Wartezeit. Na super dachte ich, dann hast du ja noch genug Zeit, es Dir doch anders zu überlegen. So war ich vor meinem Klinikaufenthalt 6 Wochen krank geschrieben. Kann ich keinem empfehlen, da mir so die Decke auf den Kopf fiel und ich megamäßig viel Zeit hatte, mich irgend welchen trüben Gedanken hinzugeben. Nicht unbedingt förderlich in meinem Zustand.

Dann nahte der Tag, an dem ich in die Curtius-Klinik sollte. Am Abend vorher wollte ich gar nicht mehr dorthin. Aber ich sagte mir dann auch, dass es mir vielleicht wirklich helfen könnte.

Also fuhr ich dann hin. Die Anmeldung selbst in der Klinik ging ziemlich schnell, mir wurde mein Zimmer gezeigt (ich war in einem 2-Bett Zimmer). Da saß ich nun und hatte ein Scheiß-Gefühl in der Magengegend - ich wollte wieder nach Hause. Ich fühlte mich dort so einsam, verloren und fehl am Platze, wie schon lange nicht mehr.  Ich hatte an diesem Tag gleich mehrer Aufnahmegespräche mit dem Pfleger, dann die medizinische und die psychologische Aufnahmeuntersuchung. Die ersten beiden waren easy, ich brachte sie ziemlich schnell hinter mich. Das medizinische Gespräch war dazu gut, um festzustellen, was man an Therapieangeboten mitmachen kann, w.z.B. Aquagymnastik, Rückenschule oder Qui Gong.  Während des pflegerischen Gespräches wurde ich auf die "Gepflogenheiten" und "Verbote" innerhalb der Klinik und während meines Aufenthaltes hingewiesen. Naja darunter zählte auch absolutes Alkoholverbot und man mußte um 23.00 Uhr abends auf dem Zimmer sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Nachtruhezeit arrangierte ich mich aber nach 2 Wochen.

Dann kam das psychologische Gespräch mit einer furchtbar netten und lieben Therapeutin. Ich erzählte ihr also ein wenig von meiner Geschichte, dann was ich mir von dieser Therapie wünsche und dass ich so schnell wie möglich wieder nach Hause wollte. Ich brach natürlich schon bei meinem ersten Gespräch mit ihr total zusammen. Ich fand das total schlimm, sie dagegen total normal.

Ich wehrte mich anfangs auch gegen jegliche Gruppentherapie. Man bot mir hier zwar einiges w.z.B. Ergotherapie (Mal-,Bastel - und Töpfertherapie) oder Musiktherapie, und es wurden auch Gesprächsgruppen angeboten. Aber ich wollte das alles nicht, ich wollte meine Problem nicht vor wildfremden Menschen ausbreiten. Ich zog mich sowieso die ersten 2 Wochen erst mal von allem Ablauf in der Klinik zurück. Es dauerte auch diese 2 Wochen, bis ich mit der Klinik irgend wann warm war. Jetzt hatte ich auch Anschluß gefunden, Leute mit denen ich ab und zu mal was unternehmen konnte. Das half schon ein wenig. Dann bekam ich noch Massagen dazu und ich machte beim Autogenen Training mit.

Mit meiner Therapeutin kam ich dem ganzen Ursprung dann auch allmählich näher. Es war jedesmal ohne Frage sehr hart, es ging eben voll ans Eingemachte. Probleme, die ich jahrelang erfolgreich verdrängt hatte, kamen nun auf einmal ans Licht. Ich mußte mich denen stellen und mich mit ihnen auseinander setzen. Nicht einfach!!! Ich bekam von Therapiestunde zu Therapiestunde ein klareres Bild von meiner Situation. Ich sah für mich zumindestens einige Lösungsansätze. Dann genoß ich die wirklich schöne Umgebung von Malente. Wir hatten die Möglichkeit uns bei schönem Wetter uns auf die Wiese auf einen Liegestuhl zu legen, die ich natürlich auch ausführlich nutzte.

Ich habe in dieser Klinik wieder ein bißchen zu mir selbst gefunden. Ich habe wieder angefangen zu malen. Inzwischen habe ich meine Techniken auf diesem Gebiet auch ein wenig verfeinert. Manche Bilder gefallen mir sogar. Gelesen habe ich dort wie ein Weltmeister. Manchmal habe ich ein dickes Buch innerhalb von einem Tag gelesen. D.h. ich konnte dort all die Dinge machen, für die ich sonst keine Zeit mehr hatte oder keine Kraft aufbringen konnte.

In der 4. Woche entschied ich mich dann doch zu einer Gesprächsgruppe. Hier saßen 8 Leute + 2 Therapeuten die über ihre Probleme und Erfahrungen redeten. Es war interessant zu hören, dass es anderen Menschen ähnlich wie mir geht. Dass sie auch damit zu tun hatten, ihr Leben zu bewältigen. Ich erzählte dort aber nicht viel von mir, weil ich auch denke, dass 3-4 Wochen ein zu kurzer Zeitraum sei, diese Leute wirklich zu kennen und besonders wichtig auch Vertrauen zu ihnen zu haben. Außerdem habe ich jahrelang mit so vielen "Freunden" über meine Probleme geredet, und es hat mich kein Stück weiter gebracht.

Nach den ersten 6 Wochen bekam ich dann eine Verlängerung von 2 Wochen, aber selbst in dieser Zeit konnte ich nicht erwarten, dass meine Probleme auf Knopfdruck verschwinden. Was gut war in dieser Klinik, war, dass ich immer jemanden hatte, mit dem ich reden konnte. Ich konnte jederzeit einen sogenannten Kurzkontakt zu meiner Therapeutin bekommen, oder aber auch zu dem "Notarzt", der nachts da war. Ich hatte mehrer kurze Einbrüche dort, so dass ich dieses Angebot auch wahrnahm.

Mich hat auch die Umgehensweise der Patienten untereinander fasziniert. Ich hatte den Eindruck, dass alle sehr sensibel miteinander umgehen, da sie ja wissen, dass man psychische Sorgen hat. Auch hier fand sich immer einer, mit dem man reden konnte. Ich habe zu den Leuten aus der Klinik leider kaum noch Kontakt, so dass ich nicht sagen kann, dass vielleicht Freundschaften daraus entstanden sind. Wir haben dort aber viel unternommen, zumal die Ostsee nicht weit weg ist, oder wir sind ins Kino gegangen, Kegeln, Bowling oder einfach nur zusammen shoppen. In der Klinik selbst hatte man auch die Möglichkeit Billiard zu spielen. Es war zwar nur ein Tisch dort, aber so hat man jeden Tag vielleicht für 1 oder 2 Stunden gespielt. Oder aber man konnte in die zwar relativ kleine aber doch nützliche Turnhalle gehen. Dort wurde Volleyball, Tischtennis oder Badminton gespielt.

Das beste, wie ich persönlich fand, war die Sauna die man nutzen konnte. Dazu gab es noch ein kleines "Planschbecken". Es war, nachdem es dann im Oktober richtig kühl draußen war, eine Wohltat sich abends in die Sauna legen zu können.

Die Mitarbeiter in der Klinik selber waren auch alle furchtbar lieb, wenn man mal sehr nahe am Wasser gebaut hatte, fragten sie gleich besorgt und man konnte reden. Meine Therapeutin war sowieso sehr lieb, und ich fühlte mich verstanden von ihr. Es tat mir gut dort in der Klinik mal alles aus der Hand zu geben. Ich brauchte mich nicht um den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf kümmern - ich konnte dort einfach leben, ohne mir um die alltägliche Dinge des Lebens Sorgen machen zu müssen. Das Essen in der Klinik war ganz gut, manchmal gab es zwar Sachen, wo ich mich ehrlich fragte, wie das in meinem Magen bleiben sollte, aber es ging auch das. Außerdem kann man es 150 Leuten nie vollkommen recht machen. Das Essen war dort sehr gesund, Vollwertkost oder vegetarisch, so dass ich tatsächlich dort sogar einige Kilos abgenommen habe.

Tja und dann kam der Tag meiner Entlassung - und hier hatte ich das Gefühl, dass ich eigentlich gar nicht so recht weg wollte. Erst wollte ich nicht rein, und jetzt nicht raus. Ich hatte begonnen mich dort richtig heimisch zu fühlen. Es gab ein Abschlußgespräch mit meiner Therapeutin, wo sie mir noch einmal nahe legte, dass ich zu hause unbedingt eine ambulante Therapie weiter machen sollte.

Inzwischen habe ich auch einen guten Psychologen gefunden, aber ich mußte mich darauf einstellen, dass eine ambulante Therapie langwieriger und etwas zäher verläuft, als die stationäre Therapie in der Klinik.

Im Nachhinein betrachtet, weiß ich, dass der Klinikaufenthalt der beste und auch der erste Schritt in die richtige Richtung war. Ich weiß jetzt um meine Probleme, kenne meine wunden Punkte, wo ich vorher des öfteren schon mal im Dunkeln stand. Jetzt kann ich anfangen mir langsam einen Weg aus diesen Problemen zu suchen.

Aber auch das wird nicht einfach werden.


 

Therapie

Nachstehend Erläuterungen zu Therapiearten...

Verhaltenstherapie: - konkrete Übungen und Gespräche (Angst, Zwang, Eßstörungen, Schlafstörungen, Streß, Schmerz) 

Dauer: ca. 10 - 40 Stunden

Kommentar: - wissenschaftlich belegt, Kasse finanziern bis zu 80 Std.

 

Reizüberflutung: - Patient wird in ängstige Situationen massiv ausgesetzt und an diese "gewöhnt", Unterbrechung des Vermeidungsverhalten (Angst, Zwang)

Dauer: oft mehrere Stunden am Tag über 1-2 Wochen

Kommentar: - oft im Rahmen einer Verhaltenstherapie, von den Kassen anerkannt

Kritik: Das zugrundeliegende Problem wird nicht behandelt

 

Gesprächs-/ Psychotherapie: Ziel: Übereinstimmung von Selbstkonzept und Verhalten. Der Therapeut akzeptiert den Klienten und wertet ihn nicht (Krisenintervention, Partner- und Familienprobleme, Neurosen)

Dauer: 10 - 60 Stunden

 

Analythische Psychotherapie: - Zugang zu unbewußten Störfaktoren durch freies Assoziieren von Gefühlen, Träumen und Erinnerungen. Therapeut bleibt im Hintergrund stellt evtl. Zwischenfragen, deutet ggf. das Gesagte (Neurosen, psychosomatische Störungen, Depressionen)

Dauer: bis zu mehrere 100 Stunden

Kommentar: Kassen finanzieren bis zu 300 Stunden

 

Hypnotherapie: - in Hypnose bekommt der Patient Zugang zu seinem Unterbewußtsein, der Therapeut regt Verhaltensänderungen durch Suggestion an (Streß, Angst, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden)

Dauer: - meist zw. 1 - 80 Stunden

Kommentar: - Voraussetzung: Erfahrener Therapeut, körperliche Untersuchung, Hypnotisierbarkeit

Preis: - zahlt wenn nur die Private Krankenversicherung, ansonsten liegen die Kosten bei ca. 80,- € pro Sitzung

 

Psychodrama: - Darstellung von Problemen als Theaterszene, die Patienten übernehmen verschiedene Rollen (mangelndes Selbstbewußtsein)

Kommentar: - Gruppentherapie