"Ich mag Dich nicht weil Du bist wer Du bist, sondern dafür wer ich bin, wenn ich mit Dir zusammen bin." Es ist so schwer sein wahres Selbst zu finden, manche Menschen sind ihr Leben lang auf der Suche und sterben unwissend. Ich habe mich in meiner Vergangenheit oft gefragt, wer ich bin. Aber bisher habe ich noch keine Antwort darauf bekommen. Wie lange soll ich danach noch suchen? Aber was ist im Leben nötig, dass zu finden, was man sucht? Liebe, Geborgenheit, Glück und Zufriedenheit? Oder ist es Erfolg, Geld, gesellschaftliche Anerkenntnis eben die materiellen Dinge? Sicherlich sollte es zwischen beiden ein Gleichgewicht geben, für den einen ist es das eine und für den anderen das andere. Aber ich beurteile einen Menschen nicht danach, was er hat, sondern wie er ist.
Die schlimmste Art jemanden zu vermissen ist die an seiner Seite zu sitzen und zu wissen, dass er nie zu einem gehören wird
Manche Menschen suchen ihr Leben lang, nach dem was sie sein wollen, was sie darstellen wollen, dabei laufen sie vielleicht bei dieser Suche an sich selbst vorbei. Sie erlernen einen Beruf, sind in diesem erfolgreich – aber sie sind trotzdem unglücklich. Ich habe mit vor einiger Zeit mit jemandem darüber unterhalten, warum z.B. die reichen Superstars trotz ihres Geldes und ihres Erfolges depressiv werden und z.B. wie Mariah Carey einen Selbstmordversuch begehen. Aber Geld und Erfolg ist eben nicht alles. Was nützt einem all dieser Reichtum, wenn man allein ist, wenn man nicht mehr weiß, ob die anderen nur freundlich und nett zu einem sind, weil du Geld hast. Die richtigen Freunde im Leben erkennt man meistens dann, wenn sie auch da sind, wenn es einem schlecht geht. „Niemand ist allein sein ganzes Selbst, er wird es erst durch seine Freunde.“ Leider kann ich nicht mehr sagen, woher ich dieses Zitat habe, aber ich erkenne so viel wahres daran. Oder wie heißt es so schön in einem Song von Heinz-Rudolf Kunze „Du wirst nie zu Hause sein, wenn du keinen Gast, keine Freunde hast.“ Ich habe es selbst festgestellt. Vor ca. 3 Monaten bin ich umgezogen, anfangs habe ich mich überhaupt nicht zu Hause gefühlt, erst als meine Familie und ein paar Freunde bei mir zu Besuch waren, da fühlte ich, dass ich in meinem Heim angekommen war. Kein Mensch kann allein auf dieser Welt existieren. Wir leben vom Feedback anderer Menschen. Auch wenn einige sagen, es sei ihnen egal, was die anderen über ihn denken. So ganz kann ich dieser Aussage keinen Glauben schenken. Gut ich kann in diesem Fall nur von mir reden. Ich weiß, wie sehr mich die Hänselein in der Schule verunsichert haben, wenn die anderen Mitschüler über mich und mein Wesen gespottet. Ich hatte auch immer nur sehr wenige „Freunde“ – und immer, wenn mich andere Menschen abgelehnt haben, habe ich mich gefragt, ob es an mir gelegen hat.
Selbst heute frage ich mich das noch oft. Wenn Leute mich auf der Strasse von oben bis unten taxieren. Es kommt mir überhaupt nicht in den Sinn, dass sie vielleicht auch bewundernd schauen könnten.
Aber manchmal bin auch stolz darauf, was ich bisher erreicht. Ich bin in einer riesengroßen Stadt allein klar gekommen, das war nicht einfach. Man ist so anonym, so klein und so winzig in einer 2 Millionen Stadt. Ich habe einen Mann vor 5 Jahren kennen gelernt, mit dem ich jetzt ein Kind habe. Aber ist das alles? Wo bleibt der Mensch, das Individuum – und wieder kann ich nur betonen, dass ein Mensch nicht durch seine Freunde oder seine Familie existieren kann. Er lebt von Wahrnehmungen, von Eindrücken und auch von Erinnerungen. Der Mensch ist ein Wesen, das lernt, jeden Tag immer wieder aufs neue. Er behält Eindrücke aus seiner Vergangenheit, Erfahrungen aus der Kindheit und setzt diese um. Er verwandelt im Grunde genommen Informationen, die er irgendwann einmal abgespeichert hatte in andere Informationen und benutzte diese später. (Kleiner Ausflug in die kognitive Psychologie) Das heißt für mich so viel, dass der Mensch aus seinen Erinnerungen und seinen Erfahrungen besteht, dass das ganze Leben ein einziger Lernprozess ist und dass man nie aufhört zu lernen. Wir müssen lernen, um uns in unserem Entwicklungsprozess vorwärts zu bewegen.
Ich hatte aber irgend wann verlernt für die Zukunft zu leben, ich habe nur noch in meiner Vergangenheit gelebt. Habe von meinen und durch meine Erinnerungen gelebt. Ein Teil dieser Erfahrungen beeinflussen heute immer noch mein Denken, Handeln und Leben. Wenn man zu sehr in negativen Erinnerungen lebt, lebt man auch eine negative Lebenseinstellung. Durch meine Therapien habe ich gelernt, mich auch auf die Zukunft zu konzentrieren. Nicht aber zuletzt auch mein Urlaub hat mir auch dabei geholfen. Ich hatte Abstand von allem, von meinem zu Hause, von meinen Eltern, von meinem Job und das allerwichtigste von meinen Alltagsproblemen. Ich musste mich um nichts kümmern, konnte mich nur auf mich konzentrieren. Und so konnte ich das Leben endlich nach langer Zeit mal wieder von einem anderem Blickwinkel aus betrachten. Das tat gut, denn so konnte ich wieder in die Zukunft blicken, konnte mir Gedanken machen, wie es vor allem beruflich voran gehen sollte.
Wer kennt das nicht, dass einem tausend Gedanken durch den Kopf schwirren, man aber keinen von diesen Gedanken fassen kann. Mir gehen so wahnsinnig viele Gefühle durch den Kopf, aber ich kann keine von diesen Emotionen aussprechen oder sie beschreiben. Also setze ich mich dann abends hin, wenn es besonders schlimm ist. Schnappe mir mein Laptop und schreibe alles auf, was in mir vorgeht. Wenn es mir schwer fällt Entscheidungen zu treffen. Dann schreibe ich das Für und Wider auf und gehe diese Punkte durch, danach fiel mir wenigstens die letzte Entscheidung etwas leichter. Manchmal muss man auch eben an seine eigene Person analytisch heran treten. Einfach 2 Meter von sich selbst Abstand nehmen und sich von außen betrachten. Und was auch hilft, habe ich festgestellt, sich einfach fragen, was ich in diesem Augenblick von einer anderen Person erwartet hätte, wie sie reagiert. Manchmal geht man an sich selbst viel zu blind und zu emotionell ran, da hilft ein wenig Abstand ungemein.
Wir werden nie ein Leben ohne Probleme führen können. Aber die Herausforderung des heutigen Lebens ist, diese Probleme zu meistern. Ich kann das jetzt vielleicht heute so sagen, weil es mir gut geht, aber sicherlich werden auch wieder Tage kommen, wo auch ich wieder alles schwarz sehe. Davon gehe ich mit 100 %-tiger Sicherheit aus. Aber heute bin ich Optimist und sage, dass die Flasche Wein, die vor mir steht, halb voll ist. (Ups schon so viel getrunken? *grins*) Ich denke, wir und auch ich werden immer wieder Phasen in unserem Leben haben, wo es uns gut geht, und wo es uns schlecht geht. Gerade wir „Depressiven, SVV-ler“ sind so sensibel für Veränderungen in unserem Leben, dass wir diese auch sehr schnell wahrnehmen. Wir haben unsere Erfahrungen gemacht, und ich finde es auch nicht schlimm, wenn wir auch manchmal wieder ein oder zwei Schritte zurück machen. Irgendwann gehen wir vielleicht auch endlich mal 3 Schritte nach vorne.
Auch ich bin noch auf der Suche, nach meinem wahren Selbst, aber ich kann sagen, dass ich der Antwort auf diese Frage die letzten Monate ein Stück näher gekommen bin. Es ist ein schwerer und harter Weg, und ich werde noch einige Problemberge zu bewältigen haben. Aber auch wenn ich dann manchmal denke, ich schaffe es nicht, und es ist sowieso alles umsonst, weiß ich, dass es mir irgendwann gut gehen wird, dass ich bei dem Menschen angekommen bin, der ich sein will und der glücklich ist. Denn eines habe ich auch gemerkt, ich kann wieder träumen, kann mir einige Zukunftsphantasien in meinem Kopf basteln und vielleicht kann ich diese irgendwann verwirklichen.